Allgemeine Entwicklungstendenzen
- Die Anfänge des Sonderschulwesens in
Indonesien
beschränkten sich auf die Insel Java
- 1901 wurde die erste Schule
für Behinderte (reine Blindenschule) in Bandung
eröffnet
- 1930 wurde durch
Privatinitiative eine zweite Sonderschule für
gehörlose und hörbehinderte Kinder
gegründet, ebenfalls in Bandung
- 1955
wurde eine Abteilung Sonderschulwesen innerhalb des Ministeriums
für Erziehung und Kultur errichtet → 1975
wurde diese Abteilung zu einem Subdirektorat.
- Die meisten indonesischen Sonderschulen und
Rehabilitationseinrichtungen sind bis heute nicht-staatlich und
erhalten daher nur beschränkt staatliche Förderung
- 1984
wurde die Sekolah Dasar Luar Biasa (Sonder-Grundschule für
behinderte Kinder) gegründet. 1989 gab es bereits
207 dieser Schulen mit 7028 Schülern. In diesem Schultyp
werden sehbehinderte, blinde, hörbehinderte und
gehörlose, körper- und geistigbehinderte Kinder im
Alter von 7 bis 12 Jahren unterrichtet. Sie umfasst wie die
Regelgrundschule 6 Schuljahre. Die Kinder werden in versch. Klassen
ihrer jeweiligen Behinderung entsprechend nach dem Curriculum
für Primarschulen unterrichtet.
- Die Sekolah Terpadu (Verbindungsschule) ist eine
Integrationsschule und wurde 1977
als integrativer Schulversuch in Bandung gegründet. Dort
wurden zunächst blinde Kinder (mit normaler Intelligenz) und
Sehende gemeinsam unterrichtet.
- Durch staatliche wie nichtstaatliche nationale und
internationale Mithilfe wurden im Laufe der Jahre weitere integrative
Schulen ermöglicht (etwa 1989
insg. 84). Diese Schulen unterrichten vor allem
körperbehinderte, leicht geistig behinderte oder
sehgeschädigte Schüler.
Konzeption und Administration
- vier staatliche Behörden sind in Indonesien
für Behinderte verantwortlich:
1. Ministry of Education and Culture,
2. Ministry of Social Affairs
3. Ministry of Health
4. Department of Manpower
- Das indonesische Ministerium für Erziehung
und Kultur fasst unter dem Begriff „luar biasa“
(außergewöhnlich) 7 versch. Richtungen von
Behinderungen zusammen:
- Sehgeschädigte
- Hör- und Sprachbehinderte
- geistig Behinderte
- physisch Behinderte
- Hochbegabte
- mehrfach Behinderte
- Das indonesische Sonderschulsystem umfasst aber
insgesamt 12 versch. Arten der "Sekolah Luar Biasa" SLB
(außergewöhnliche Schulen, Stand 1989):
- SLB-A: für Blinde (46)
- SLB-B: f. hörbehinderte oder
gehörlose Kinder (79)
- SLB-C: f. schwach geistig behinderte/
lernbehinderte Kinder (76)
- SLB-C1: f. schwer geistig behinderte Kinder (11)
- SLB-D: f. leicht körperbehinderte Kinder
(8)
- SLB-D1: f. schwer körperbehinderte Kinder
(4)
- SLB-E: f. Kinder mit Störungen im
Gefühls- und Empfindungsleben (13)
- Sekolah Luar Biasa Campuran dan Tunaganda: f.
Mehrfachbehinderte Kinder (192)
- Sekolah Terpadu (Verbindungsschule): eine
Integrationsschule an der behinderte und nichtbehinderte Kinder
gemeinsam unterrichtet werden. (84)
- Sekolah Dasar Luar Biasa: Sonder-Grundschule
für behinderte Kinder (207)
- SLB C/C1: f. leicht und schwer geistig behinderte
Kinder (40)
- SLB D/D1: f. leicht und schwer
Körperbehinderte (7)
Statistiken
- In Indonesien gibt es (stand etwa 1989) 21 staatliche
Sonderschulen, davon sind allein 14 auf Java angesiedelt.
- 64% (502 Schulen) aller Sonderschulen (auch
Grund-Sonderschulen und Integrationsschulen) in ganz Indonesien
befinden sich allein auf Java.
- Die behinderten Kinder werden meist bis zur
Vollendung ihres 12 Lebensjahres in einer Sonderschule unterrichtet.
Dies sieht die indonesische Schulpflicht so vor.
- Von 1980-1990
stieg der Anteil der Sonderschulen um 200%, der Schüler um
265% und der Lehrer um 373%. Dieser hohe Anstieg ist mit der
Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1984 durch die
indonesische Regierung zu erklären.
- Einige Sonderschulen bieten eine zwei- bzw.
dreijährige Vorschulerziehung an.
- An Schulen für Hörbehinderte und
stark körperbehinderte Kinder sieht die Grundschulbildung 8
bis 12 Schuljahre vor. Anschließend an die Grundschulzeit
sieht das indonesische Schulsystem für blinde,
gehörlose und schwer körperbehinderte Kinder meist
eine zweijährige berufsausbildende Erziehung vor.
- Hörgeschädigte Kinder erhalten
meist eine vierjährige Ausbildung die neben der praktischen
Ausbildung auch die Sekundarstufe 1 mit einschließt.
- Sonderschulen für sehgeschädigte,
lernbehinderte sowie körperbehinderte Kinder (ohne zerebrale
Lähmung) bieten oft eine drei- bis vierjährige
weiterführende Schulausbildung an (Sek.1). Schulen
für Kinder mit Störung im Gefühls- und
Empfindungsleben umfassen nur die Primarstufe, im Anschluss sollen
diese Kinder eine Regelschule der Sek.1 besuchen.
Lehrerausbildung
- 1952
wurde in Bandung die erste Schule zur Ausbildung von Sonderschullehrern
(Sekolah Pada Guru Luar Biasa = SPGLB) für gehörlose
und sprachbehinderte, blinde und geistig behinderte Schüler
eröffnet.
- Etwa 1989
gab es 6 dieser SPGLB, das Studium an dieser Schule dauert 4 Semester,
während dieses Studiums spezialisieren sich die Studenten in
einer der fünf Hauptrichtungen der Sonderpädagogik:
- Pädagogik der geistig Behinderten und
Lernbehinderten
- Pädagogik der Körperbehinderter
- Pädagogik für Kinder mit
Störung im Gefühls- und Empfindungsleben.
- Nach Abschluss dieser Ausbildung können
die Lehrer an einer Hochschule für Pädagogik
für vier Jahre ein Studium weiterführen und dieses
mit dem Abschluss eines "Bachelor Degree" in "Special Education" abschließen.
- Die Institute zur Lehrerausbildung (IKIP = Institut Keguruan Ilmu
Pendidikan) bilden nur in insgesamt sechs Instituten Sonderschullehrer
aus (vier auf Java, je eine in Sulawesi und in Sumatra). Neben den IKIP
bieten zwei Universitäten in Solo und Bandung einen
Ausbildungsgang für Sonderschullehrer an.
- Das Ministerium für Erziehung und Kultur hat Curricula
für die Sonderschularten A-E erstellt. Jede Schule kann jedoch
ihr eigenes Curriculum erarbeiten, sollte aber die lokale Kunst und
Kultur, Kunstgewerbe, Traditionen und Sprache berücksichtigen.
Schulen für mehrfach Behinderte haben noch kein eigenes
Curriculum. Die Curricula der Sonderschulen sollen eine Spieltherapie
und ein Aktivitätsprogramm umfassen, einschließlich
Turnübungen und einer Beschäftigungstherapie.
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