Heilpädagogik - Geschichte

sonderpaedagoge.de!

 

Entwicklung der Körperbehindertenpädagogik

 

Überblick: Relevante Prozesse, Strukturen, Daten  

Altertum

  • In den meisten Kulturen war es üblich und erlaubt, körperbehinderte Kinder nach der Geburt zu töten
  • Nur in Theben wurde die Aussetzung und Tötung unter Androhung der Todesstrafe verboten
  • Griechische Philosophen propagierten die Eleminierung Behinderter und forderten die "Züchtung" des Idealmenschen (Plato, Aristoteles)
  • In Rom wurde die väterliche Verfügungsgewalt beschränkt mit der Maßgabe das behinderte Kinder erst dann ausgesetzt wurden, wenn fünf Nachbarn ihre Zustimmung erteilt hatten
  • Doch in Rom war es üblich Missgebildete zur Belustigung einzusetzen und sie auf Narrenmärkten zusammenzutragen
  • Im Jahr 330 wird in Konstantinopel das "Haus für Verstümmelte" gegründet

Mittelalter

  • teilweise kirchlicher Einfluss, Almosenempfang beim Betteln
  • Zurschaustellung im Hofnarrentum
  • Abergläubische Furcht vor Körperkontakt zu Körperbehinderten
  • Körperbehinderte als "Teufelswerk" und "Wechselbälge" (Martin Luther)

Reformation

  • Strenge Abschirmung von Körperbehinderten in Zucht- und Aufbewahrungsanstalten
  • Bevölkerung sollte vor ihrem Anblick verschont bleiben
  • Körperbehinderte galten als selbstsüchtig, verlogen und boshaftig

Aufklärung

  • Körperbehinderte waren Teil des am wenigsten angesehensten Teils der Bevölkerung, der Lazarusschicht
  • Unterbringung Körperbehinderter in Arbeits- und Internierungshäusern (Zwangsarbeit)
  • Im 19. Jahrhundert entstehen zunehmend Institutionen der Körperbehindertenhilfe
  • Bestrebungen, Körperbehinderte dazu zu befähigen, ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen
  • Zu dieser Zeit entwickelt sich auch die Orthopädie
  • Dem sozialen Engagement trat jedoch die liberalistische Theorie von R. Maithus (1766-1834) entgegen: Armenpflege behebe nicht die Not, sondern bringe sie hervor, indem sie den Armen ermuntere sich sorglos fortzupflanzen
  • Christliche Kreise fordern die Pflege, Erziehung, Unterrichtung und Berufsausbildung Körperbehinderter

Neuere Zeit bis 1960

  • 1816 wurde das erste orthopädische Institut in Deutschland gegründet von Johann Georg Heine
  • zur gleichen Zeit gründete Mathias Ludwig ein Institut in Lübeck, in dem die Kinder Unterricht am Krankenbett erhielten
  • 1823 Gründung der "Heilanstalt für Verwachsene": der Erziehungsgedanke steht im Vordergrund
  • 1833 Gründung der 1. Bildungsanstalt für Körperbehinderte durch Johann Nepomuk Edler
  • 1845 wird in Stuttgart das 1. Institut für Arme eingerichtet. Aus diesem entsteht 1850 die orthopädische Armenheilanstalt "Paulinenhilfe"
  • 1913 Bau der 1. staatlichen orthopädischen Klinik in München
  • 1920 Krüppelfürsorgegesetz
  • 1921 Schulungen für Krankenschwestern, die mit körperbehinderten Kindern arbeiten. [ weitere Informationen ]

1961
Bundessozialhilfegesetz (BSHG) tritt in Kraft [ weitere Informationen ]

1960er Jahre

  • durch die Contergan-Katastrophe kommen ca. 3000 Kinder mit Gliedmaßenfehlbildungen auf die Welt
  • dies veranlasst zu einem massiven Anstoß zur weiteren Differenzierung und Definition KB
  • Frühförderung, besondere Kindergärten und Sonderformen von Schulen (auch weiterführender Schulen) entstehen

Ab ca. 1970 entfaltet sich die "Krüppelbewegung" [ ausführliche Informationen ]
1973 erstes umfassendes Konzept für die pädagogische Frühförderung behinderter Kinder [ weitere Informationen ]

1974 3. Novelle des Bundessozialhilfegesetz (BSHG) [ weitere Informationen ]

1970er allgemein:
neben der Differenzierung KB und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher verfestigt sich der Gedanke der Integration immer mehr.
Zwei laufende Modelle der Beschulung:
   A. Das kooperative Schulzentrum (1973): bauliche und teils personelle An- und Eingliederung
   B. Ambulante Maßnahmen in den Schulen des Wohnbereichs

1980er/ 1990er allgemein:
KB-Pädagogik arbeitet an der Entwicklung mehrdimensionaler Förderkonzepte und integrativer Erziehung
KB-Pädagogik nicht mehr primär defektorientiert, sondern auf die Eigenaktivität des Körperbehinderten gerichtet

Kurzer Exkurs zur Körperbehindertenpädagogik in der DDR [ Klicken ]

1989/90
Neue Bundesländer fingen an, das gesamte Bildungssystem umzustellen.
Alte Länder suchten gemeinsam mit den neuen Bundesländern neue Organisationsformen.

1991
Erste Vereinigungsprozesse der Verbände (voran: VDS)

- Startseite -